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Eher unerwünscht: Waschbären in Mecklenburg-Vorpommern
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Im Tierpark mögen sie ja ganz nett anzusehen sein - in freier Natur sind sie eine echte Plage.

Recht hübsch, aber nicht erwünscht: Der Waschbär

Waschbären sind Neubürger in Deutschland, über die man nur froh sein kann, solange man das Ausmass der Katastrophe noch nicht erkannt hat. Vielleicht ist die Ausbreitung des Waschbären nicht ganz mit der Kaninchenplage Australiens zu vergleichen, aber viel fehlt da nicht; der Bestand in Deutschland liegt im mittleren sechsstelligen Bereich!

Dabei ist die Situation in Mecklenburg-Vorpommern noch bei weitem nicht so dramatisch, wie z.B. in Brandenburg: Im Raum östlich von Berlin und im Norden der Hauptstadt gibt es sehr dichte Waschbärenbestände, was sicherlich damit zusammenhängt, dass die ostdeutsche Population der Tiere sich (nachweislich völlig unabhängig von der westlichen) aus zwei Kernzonen entwickelt hat:
Durch Kriegseinwirkung kamen 1945 Tiere aus einem Gehege frei und in den 1970er Jahren entkam eine Gruppe aus dem Heimattiergarten von Kunsterspring bei Neuruppin.

Waschbären (Procyon lotor) sind ausserordentlich anpassungsfähige Tiere. Sie sind vorwiegend dämmerungs- oder nachtaktiv und schlafen tagsüber in Baumhöhlen oder anderen Unterschlupfen (s.u.).

Es sind geschickte Kletterer, die so ziemlich alles fressen, was ihnen vor die Nase kommt, sowohl pflanzliche Nahrung als auch Wirbellose und kleine Wirbeltiere. Früchte und Insekten in Gärten und Speisereste im Müll sind leicht verfügbare Nahrungsquellen, die Nähe des Menschen verspricht ein grosses und abwechslungsreiches Nahrungsreservoir.

Den Waschbären-Überfall auf einen Obstgarten oder das Stöbern in der Mülltonne - damit haben wir keine Probleme. Aber Waschbären räumen radikal auf unter der heimischen Wildtierwelt. Kein Gelege, kein Jungvogel ist vor ihnen sicher.

Selbstregulierung der Natur?

Die Gefahr, die von fremden Tierarten (Neozoen) für die heimische Tierwelt ausgeht (das gilt im Pflanzenreich ähnlich) wird gerne verharmlost: Die Natur würde sich von selbst regulieren; wenn eine neue Art sich zu stark vermehre und dadurch das Nahrungsangebot zu gering werde, würde sich ein neues biologisches Gleichgewicht einpendeln.

Hört sich gut an, ist aber falsch.

Es trifft bestenfalls zu auf Nahrungsspezialisten. Deren Populationen würden tatsächlich zusammenbrechen, wenn die Nahrung knapp wird. Solche Arten würden wieder aussterben oder wegziehen und zwar, bevor sie die letzten Exemplare ihrer Beutetiere gefressen haben. Die verbliebenen Restbestände der Beutetiere erholen sich innerhalb kürzester Zeit im Rahmen des alten biologischen Gleichgewichts wieder. (Eisvögel z.B. können Bestandsverluste von 90% durch einen starken Winter innerhalb von nur einem Jahr vollständig ausgleichen.)

Waschbären aber sind Allesfresser. Sie vernichten ggf. eine Beutetierpopulation (z.B. eine Tierart, die sich an die Jagdgewohnheiten der Neubürger nicht hinreichend schnell anzupassen versteht), bleiben aber trotzdem im Gebiet, weil sie ja noch genügend andere Nahrung finden. Bevor die Restbestände ihrer Beutetiere sich nachhaltig erholen können, werden sie schon wieder aufgefressen.

Hinzu kommt, dass Waschbären ziemliche Alleskönner sind: Sie klettern in die höchsten Bäume und auch Gewässer sind überhaupt kein Problem, da sie auch gute Schwimmer sind.

Und anpassungsfähige Tiere wie Waschbär und Elster sind nun mal auch sehr clevere Tiere, die sich viel schneller auf eine neue Beute einstellen, als die Beutetiere sich auf die Beutegreifer einstellen können.

Bei hohem Populationsdruck lernen Elstern z.B. junge Schwalben im Flug (!) zu fangen, wie der Autor regelmässig beobachten konnte. Und eine ganze Brut junger Schwalben ist noch nicht einmal das Frühstück für eine Elsternfamilie. . .

Auf Waschbären trifft die Theorie der Selbstregulierung genauso wenig zu, wie auf Elstern.

Dabei sind Waschbären Tiere, die man durchaus ins Herz schliessen kann, solange man nicht weiss, was los ist.

Die gut katzengrossen Kulturfolger sind hübsch und possierlich und wirken durchaus liebenswert. Anders als in ihren natürlichen Siedlungsgebieten nutzen sie gerne das hochwertige Nahrungsangebot, das ihnen die Nähe menschlicher Siedlungen bietet.

Und die Verstädterung geht weiter: Nach Angaben von Wissenschaftlern übernachtet mittlerweile fast die Hälfte der verstädterten Waschbären in Häusern (Dachböden oder in Geräteschuppen) - da hat man's nicht so weit zum Fressen.

Trotz ihrer Häufigkeit bekommt man die Kleinbären nur selten zu Gesicht. Meistens verraten nur die Hinterlassenschaften der gefrässigen Tiere und evtl. das Rumoren an der Mülltonne die Anwesenheit von Waschbären.

Natürlicherweise leben Waschbären bevorzugt in gewässerreichen Laub- und Mischwäldern, wie sie Mecklenburg-Vorpommern in starkem Umfang bietet.

Natürliche Feinde haben Waschbären kaum; in ihrer Heimat Amerika regulieren sich die Bestände angeblich durch Krankheiten. Da die Vermehrungsrate hoch ist, erholen sich die Bestände rasch. Zumindest in Mecklenburg-Vorpommern sind Waschbären - wie auch der Marderhund - häufige Opfer im Strassenverkehr.

Waschbären-Forschung:

Obwohl die Tiere in Deutschland mittlerweile sehr zahlreich sind, scheinen sie wenig erforscht zu sein. Der Autor hat den Eindruck, dass die Wissenschaft die geradezu explosionsartige Verbreitung der Art in den letzten 30 Jahren gar nicht so richtig mitgekriegt hat. Erst in neuester Zeit hat man mit einigen Forschungsprojekten begonnen und bei diesen Projekten hat man den Eindruck, dass die Wunschergebnisse schon feststehen: Es sind ja auch sooo putzige Gesellen.

Waschbären gehören nicht nach Mitteleuropa

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es mittlerweile ein Projekt im Müritz-Nationalpark, um Daten für eine ökologische Bewertung des Waschbär­Vorkommens liefern zu können. Aber warum hat man dazu eine Gegend gewählt, in der der Populationsdruck durch Waschbären noch nicht so gross ist und in der es für die heimische Tierwelt relativ gute Rückzugsgebiete gibt, also eine Gegend, die zwar ideal für den Waschbären ist, aber keineswegs real in Bezug auf die gesamte Bundesrepublik?

Für und Wider einer Dezimierung der Waschbären:

Die Meinungen über den Waschbär gehen weit auseinander. Einerseits hat die Art eine nicht geringe Lobby. Auf der anderen Seite stehen Naturschützer, die ein grosses ökologisches Problem sehen. Und drittens scheint es eine Position zu geben, die das Pfeifen im dunklen Keller übt: "Zudem kann die Art durch Bejagung nicht zurückgedrängt oder aus der heimischen Natur entfernt werden." (NABU)

Aber selbst der NABU, sonst Verfechter einer rigorosen Vernichtung von durch Menschen eingebürgerten Tierarten (s. Mufflon) ist beim Waschbären einigermassen uneinig: “Mittlerweile hat sich der Waschbär zu einem echten Problemtier entwickelt, das starke Auswirkungen auf die einheimische Tierwelt hat” Auch das ist O-Ton vom NABU

Die Position - "es ist zu spät, um diese Tiere noch wirksam zurückzudrängen, wir müssen uns mit ihnen arangieren" - haben wir übrigens in zahlreichen Stellungnahmen gefunden.

Die Befürworter der Waschbären geben für ihre Position eigentlich gar keine Begründung, ausser der, dass ein Schaden durch die Tiere wissenschaftlich nicht bewiesen sei (klar, es hat ja auch noch kaum wissenschaftliche Untersuchnungen gegeben). Ausserdem sei die Art mittlerweile (also nach ca. 75 Jahren) als heimisch - und damit natürlich schützenswert - anzusehen.

Die Waschbären-Gegner befürchten eine ökologische Beeinträchtigung der einheimischen Fauna, ihre Verfälschung, insbes. die Verdrängung von Arten wie dem sensiblen Fischotter, für den der robuste Waschbär eine direkte Konkurrenz ist. In Auerhuhnrevieren wird der Waschbär als Fressfeind gefürchtet. Da spielt es dann auch kaum eine Rolle, dass der Waschbär sich nur zu einem geringen Teil von Vögeln und ihren Gelegen ernährt: Bei einer sechsstelligen Zahl von Waschbären würde natürlich ein Nahrungsanteil von auch nur 1% reichen, um alle Auerhuhngelege (Bestand in Deutschland weit weniger als 1000 Brutpaare) zu zerstören!

In weitläufigen, intakten Ökosystemen können andere Arten sich an die Anwesenheit der räuberischen Waschbären anpassen, im dicht-besiedelten Deutschland aber ist das für die sensiblen Arten nicht möglich.

Eine überraschende Erkenntnis:

Für die wissenschaftliche Beurteilung von Artenschutz- und Wiederansiedlungsprojekten führt die Erfolgsstory der Waschbären übrigens zu einer überraschenden Erkenntnis:

Die gesamte Waschbärenpopulation in Westdeutschland (diese Population hat sich unabhängig von der ostdeutschen entwickelt) lässt sich auf nur zwei Paare zurückführen, die 1934 in Hessen ausgesetzt wurden! Aus diesen 4 Individuen haben sich im Laufe von nur 75 Jahren weit über 100.000 Tiere entwickelt. Trotz der extrem geringen genetischen Vielfalt von nur 4 Exemparen zu Beginn sind keinerlei Probleme (Erbkrankheiten) feststellbar. Ein kleiner Gen-Pool führt also (bei günstigen Lebensbedingungen) nicht unbedingt zu Erbschäden durch Inzucht.


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